Fellowship Bericht vom AO Trauma DACH Fellowship bei Prof. Dr. Karl-Heinz Frosch im UKE (Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf) und BG Klinikum Hamburg
29.03.–13.04.2025
Im Frühjahr 2025 hatte ich die besondere Gelegenheit, zwei Wochen als AO Trauma DACH Fellow bei Prof. Dr. Karl-Heinz Frosch in Hamburg zu verbringen. Dieses Fellowship bot mir eine wertvolle Möglichkeit, die traumatologische Versorgung in einem der führenden deutschen Traumazentren kennenzulernen und meine bisherigen klinischen Erfahrungen um neue Perspektiven zu erweitern.Über
Berichte früherer AO Trauma DACH Fellows sowie den regelmässigen Austausch mit internationalen Fellows an meiner Arbeitsstelle am Kantonsspital Chur entstand in mir der Wunsch, selbst ein anderes grosses europäisches Traumazentrum zu erleben. Meine Freude war riesig, als ich die Zusage für das Fellowship bei Prof. Frosch erhielt—einem Namen, dem man in der Literatur zur Kniechirurgie und insbesondere zu Tibiaplateaufrakturen kaum ausweichen kann.
Mein Aufenthalt in Hamburg führte mich an zwei Standorte—das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und das BG Klinikum Hamburg—da Prof. Frosch an beiden Häusern die Leitung der Unfallchirurgie innehat. Nach einem ausgesprochen kollegialen Empfang beim ersten Morgenrapport wurde ich direkt in den OP begleitet und durfte gleich zu Beginn bei einer komplexen Tibiaplateaufraktur assistieren. Während der gesamten zwei Wochen durfte ich mich bei sämtlichen Operationen miteinwaschen und am Operationstisch stehen—eine Erfahrung, die ich als Fellow keineswegs als selbstverständlich empfand und die mir tiefe Einblicke in die chirurgische Arbeit auf höchstem Niveau ermöglichte.
Insgesamt hatte ich die Gelegenheit, fast 20 Operationen zu beobachten, die das gesamte Spektrum der Traumatologie abdeckten. Mein persönlich gewählter Schwerpunkt lag auf der Versorgung von Tibiakopffrakturen, von denen ich fünf Eingriffe miterleben durfte. Die Bandbreite reichte von einfachen Spaltfrakturen bis hin zu komplexen bikondylären Verletzungen, bei denen verschiedene Zugangswege, Repositionstechniken und Osteosyntheseprinzipien zur Anwendung kamen.
Ich konnte nahezu das gesamte von Prof. Frosch in der Literatur beschriebene Techniken der Versorgung von Tibiaplateaufrakturen im Operationssaal unmittelbar nachvollziehen. Darüber hinaus verfolgte ich u.a. die Rekonstruktion mehrerer komplexer multiligamentärer Knieverletzungen, Umstellungsosteotomien sowie Trochleaplastiken. Besonders beeindruckend war bei allen Eingriffen die Präzision der präoperativen Planung und die konsequent strukturierte intraoperative Umsetzung nach klar definierten biomechanischen Prinzipien.
Mein Mentor vor Ort am UKE, Prof. Dr. Matthias Krause, den ich bereits aus meiner Tätigkeit im AGA-Komitee kannte, begleitete mich intensiv während des gesamten Fellowships. Neben den Operationen konnte ich ihn auch an zwei Sprechstundentagen begleiten und erhielt dadurch wertvolle Einblicke in die chirurgische Entscheidungsfindung mit Indikationsstellung und Planung bei komplexen Verletzungen.
Neben den medizinischen Erfahrungen war auch der interdisziplinäre Austausch mit den Ärztinnen und Ärzten am UKE und der BG-Klinik äusserst bereichernd. Die Verbindung von wissenschaftlicher Diskussion, praxisnaher Demonstration und persönlicher Kollegialität prägte meine Zeit in Hamburg nachhaltig.
Auch ausserhalb des Klinikalltags bot Hamburg zahlreiche Möglichkeiten, die Stadt zu entdecken: Fahrradtouren entlang der Elbe, Hafenrundfahrten, ein Musicalbesuch, ein Konzert in der Elbphilharmonie und kulinarische Highlights rundeten diese zwei intensiven Wochen ab.
Rückblickend war das Fellowship eine ausserordentlich lehrreiche und inspirierende Erfahrung—sowohl fachlich als auch persönlich. Ich bin der AO Trauma Schweiz für die Unterstützung und der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Frosch und Prof. Dr. Krause für die herzliche Aufnahme, die hervorragende Betreuung und den offenen Wissensaustausch sehr dankbar. Die gewonnenen Eindrücke werden meine weitere Ausbildung in der Knie- und Unfallchirurgie nachhaltig prägen.
Christoph Zindel-Geisseler
Chur, 21.06.2025


